Einblicke aus dem Waldposten

Willkommen im Tagebuch des Waldposten Einöde. Hier teilen wir mit Ihnen besondere Momente, Fortschritte bei unserem Tiny House-Bau und Geschichten aus dem Herzen des Bayerischen Waldes. Begleiten Sie uns auf unserer Reise und erfahren Sie mehr über das Leben auf unserem Hof.

Ein besonderer Tag auf der Einöde – Von Büchern, Begegnungen und echtem Rückenwind

Manchmal beginnen die schönsten Geschichten mit einer ganz einfachen Nachricht. Ich hatte Stefan Kudela geschrieben, weil ich ein signiertes Exemplar seines Buches „Einfach. Über. Leben.“ für unsere geplante kleine Waldposten-Bibliothek kaufen wollte. Ich rechnete mit einer netten Antwort und irgendwann einem Paket im Briefkasten.

Es kam anders. Stefan steckte das Buch nicht einfach in die Post – er und seine Lebensgefährtin setzten sich kurzerhand ins Auto und machten sich auf den Weg zu uns in den Bayerischen Wald, um es persönlich vorbeizubringen.

Aus dem geplanten, kurzen „taktischen Tütentausch“ an der Hoftür wurden stundenlange, tiefgreifende Gespräche. Obwohl uns ein Generationsunterschied trennt, war ab der ersten Minute eine unglaubliche Vertrautheit da. Wir haben gelacht, uns ausgetauscht und schnell gemerkt, dass uns dieselbe Haltung verbindet.

Als ob diese Begegnung nicht schon Geschenk genug gewesen wäre, hatten die beiden gleich alle drei Werke von Stefan für unsere Gäste im Gepäck:

  • Einfach. Über. Leben.

  • Der Zividat

  • Hasenfuß oder Held

Jedes Buch hat eine persönliche Widmung bekommen – wer die lesen möchte, muss wohl oder übel eines Tages bei uns zu Gast sein. 

Dieser Tag hat uns als Waldposten-Team unglaublich viel gegeben. Zu spüren, dass gestandene Menschen an unsere Vision glauben, uns ihr Vertrauen schenken und Rückenwind geben, tat einfach nur unendlich gut. Es hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Danke euch beiden für euer Kommen, euer Zuhören und diesen unvergesslichen Tag auf der Einöde!

15. August – Die Heimreise des Mengele-Ladewagens

Am 15. August hieß es um Punkt 9:00 Uhr morgens: „Startet die Motoren!“ Ein guter Freund von uns machte sich von zu Hause mit dem Traktor auf den Weg, während wir – mein Vater, mein Mann, unser Kind und ich – am Hof ins Auto stiegen.

Der Treffpunkt: Ein nahegelegener Ort, gleich rechts beim Maisfeld. Da wir als Erste ankamen, nutzten wir die Zeit und installierten schon einmal die Lichtanlage am Ladewagen. Kurz darauf hörten wir auch schon das vertraute Knattern des herannahenden Traktors. Nach einem kurzen, ungeplanten Kampf mit einer Gruppe Erdwespen – die ihr Nest natürlich punktgenau unter dem Wagen gebaut hatten – war es endlich so weit: Der Ladewagen bildete ein Gespann mit dem Traktor.

Die Heimfahrt begann: Der Traktor voran, wir im Auto hinterher. Als sich kurzzeitig ein Streifenwagen hinter uns setzte, blieb uns trotz aller ordnungsgemäß gesicherten Fracht kurz das Herz stehen. Doch die Beamten hatten glücklicherweise wenig Interesse an unserem Gespann und bogen wieder ab. So richtig tief durchatmen konnten wir dann, als wir die Bahngleise überquert hatten: Der Ladewagen stand sicher bei uns auf dem Hof! Alles war gut gegangen.

Ein riesengroßer Schritt in Richtung Tiny House war geschafft. Beim anschließenden Grillen lag einfach nur pure Freude in der Luft.

Wie alles begann – Der erste Schritt aus dem Schatten

Es mag ein grauer Tag am Jahresanfang gewesen sein, als ich mich hinsetzte und zu suchen begann: Informationen zur Bundeswehr, zu Veteranen, zu PTBS, zu Hilfsangeboten. Meine Suche stellte ich zuerst recht ungeschickt an. So recht fand ich nichts, was mich weiterbrachte oder meine vielen Fragen beantwortete. Mein Geldbeutel stöhnte angesichts der vielen Bücher, die ich bestellte, und mein Spotify-Algorithmus geriet total aus dem Takt, weil ich plötzlich so viele Podcasts suchte.

Ich weiß noch, dass ich bei Spotify auf Wolf Gregis stieß, wie er Robert Sedlatzek-Müller interviewte. Über diese Folge kam ich zu dem Buch "Soldatenglück" und der Dokumentation über Robert Müller (Lauf des Lebens). Von da an gab es kein Halten mehr. Ich beschäftigte mich mit Instagram und fand immer mehr heraus – verlief mich aber auch das eine oder andere Mal bei Leuten, die etwas komisch anmutende Hilfe oder gar „Heilung“ versprachen.

Der nächste große Name war Jesse Cole. Seine Musik und die Texte ließen mich weinend in der Küche sitzen, weil ich ein wenig zu verstehen lernte, wie mein Mann sich eigentlich die ganze Zeit fühlen musste. Mir dämmerte langsam, dass diese Problematik mit der PTBS riesengroß sein muss. Dass es eine enorme Dunkelziffer an Betroffenen gibt und dass es doch mehr Menschen geben muss, die irgendwie helfen.

Zu dieser Zeit gab es bei uns in der Gegend einen schweren Verkehrsunfall. Die Feuerwehrleute mussten Entsetzliches mit ansehen, erleben und verarbeiten. Ihnen wurde danach Hilfe zur Seite gestellt. Und die Hilfe für alle anderen? Ja, die gibt es schon – aber die Bürokratie tötet hier oftmals die Hoffnung beim ersten Aufkeimen sofort.

Ich sprach viel mit meinem Mann. Sätze, die mit „Man müsste…“, „Es kann doch nicht sein, dass…“, „Warum denn nicht?“ oder „Wieso denn nicht?“ anfingen und meist auch so endeten. An manchen Tagen war ich schier verzweifelt und verlor mich fast in dem ganzen Leid der vielen Betroffenen, die ich nun immer mehr fand. Google riet mir angesichts meines Suchverlaufs sogar schon, mal die Telefonseelsorge anzurufen.

Ein trockenes Lachen später straffte ich mich und meinte zu meinem Mann: „Warum teilen wir unsere Einöde nicht mit anderen PTBSlern?“

Denn wenn wir einmal nicht weiterwissen, dann gehen wir raus. Raus in den Wald, raus zum Holzarbeiten, bekommen den Kopf frei und lassen uns von der natürlichen Stille leiten. Sie hat uns oft geholfen. So auch hier beim Projekt Waldposten Einöde, das langsam in mir heranreifte und Form annahm.

Tatendrang erfüllte uns. Unsere Google-Suchanfragen änderten sich rapide und wir besprachen Anschaffung, Ausbau und die Realisierungsmöglichkeiten einer Unterkunft. Wir steckten wichtige Maßstäbe ab und fanden recht bald einen gemeinsamen Nenner. Wir fingen einfach an – ohne Geld, ohne Ahnung. Irgendwie ergab sich das eine aus dem anderen bis zu dem Punkt, an dem wir heute stehen:

Ein Logo, eine Spendenkampagne, ein Instagram-Kanal, ein Ladewagen und eine Homepage.

Wir gehen weiter. Jeden Tag, Schritt für Schritt, Schraube für Schraube – bis wir unseren ersten Gast begrüßen dürfen und diese Welt für einsatzgeschädigte und belastete Rettungskräfte sowie Veteranen hoffentlich ein klein wenig besser machen können.